Lufthygieneamt beider Basel | 16. Dezember 2019

Stickoxid-Grenzwert überschritten wegen Abgasmanipulationen an Dieselfahrzeugen

Markus Camenzind, Lufthygieneamt beider Basel

Der Dieselskandal 2015 hat gezeigt, dass Manipulationen an der Fahrzeug-Abgasreinigung zu deutlichen Überschreitungen der Abgasnorm führten. Aus diesem Grund hat das Lufthygieneamt beider Basel (LHA) an verschiedenen Standorten in Basel Abgasmessungen mit einem Remote Sensing Detector (RSD) durchgeführt. Mit diesem System sind Messungen von Schadstoffkonzentrationen im Abgas vorbeifahrender Fahrzeuge möglich. Die Messungen zeigen insbesondere bei den älteren, dieselbetriebenen Autos und Lieferwagen (Euro-Norm 2 bis 6b) im realen Fahrbetrieb eine deutliche Überschreitung der Grenzwerte der Typenprüfung. Bei den benzinbetriebenen Autos und Lieferwagen entsprechen die Stickoxid-Emissionen den Vorgaben der Abgasnormen.

Durch den Dieselskandal 2015 wurde publik, dass Manipulationen an der Fahrzeug-Abgasreinigung zu deutlichen Überschreitungen der Abgasnorm führen können. Aus diesem Grund hat das Lufthygieneamt beider Basel (LHA) von Juli bis September 2018 in Basel an der Feldbergstrasse, der Wettsteinstrasse und der Zürcherstrasse Messungen beim fahrenden Verkehr mit dem Remote Sensing Detector (RSD) durchgeführt. Ziel dieser Messungen war, den Schadstoffausstoss aus dem Strassenverkehr im realen Fahrbetrieb zu bestimmen. Die gewonnenen Erkenntnisse können als Grundlage für die Planung und den Vollzug von Luftreinhalte-Massnahmen genutzt werden.  

Der motorisierte Strassenverkehr verursacht in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft rund 60 Prozent der gesamten Stickoxid(NOx)-Emissionen. An städtischen und stark verkehrsexponierten Standorten überschreitet die NOx-Belastung mit Werten von über 45 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) den Grenzwert von 30 µg/m3 deutlich. 

Die RSD-Messergebnisse der in der Schweiz zugelassenen Fahrzeuge wurden mit den vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) erhaltenen anonymisierten Fahrzeugdaten abgeglichen. Dies ermöglichte eine Detailauswertung. Bei den ausländischen Fahrzeugen (Anteil rund 15 Prozent) fehlten diese Daten. 
 

Messstandort an der Zürcherstrasse in Basel. (Quelle: LHA)

Die Ergebnisse zeigen, dass Dieselfahrzeuge je nach Abgaskategorie zwischen Euro 2 (Einführung 2015) bis Euro 6b (2014) rund fünf bis zehnmal mehr NOx als Benzinfahrzeuge emittieren. Die Messungen bei den neusten Diesel-Personenwagen aus den Jahren 2018 und 2019 zeigen deutlich tiefere NOx-Emissionen: Die Abgasnorm wird eingehalten. Bei Benzinfahrzeugen wird keine Abweichung von der Abgasnorm gemessen.

Ohne die Abgasmanipulationen an den Dieselfahrzeugen lägen die NOx-Werte im Strassenverkehr deutlich tiefer. Eine Emissionsabschätzung für die Feldbergstrasse weist eine Reduktion des Schadstoffausstosses durch den Strassenverkehr um 30 Prozent aus, wenn Dieselfahrzeuge bis Jahrgang 2015 der Norm entsprechen würden.

Die so gewonnenen Erkenntnisse fliessen in einem nächsten Schritt in Massnahmenvorschläge zuhanden des Regierungsrats Basel-Stadt zur Verbesserung der Luftqualität an verkehrsbelasteten Standorten in Basel ein. Weiter ist geplant, die Messungen in den nächsten Jahren allenfalls zu wiederholen, um die versprochenen Verbesserungen zu überprüfen.

Zudem hat sich der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt zu einer Interpellation von Grossrat Jean-Luc Perret geäussert. Darin stellt er Fragen zu der Problematik und den möglichen daraus abgeleiteten Konsequenzen.