TRINATIONALE S-BAHN BASEL: LINIENFÜHRUNG HERZSTÜCK UND ANSCHLÜSSE DER BAHNHÖFE GEKLÄRT

Rémy Chrétien, Konsortium Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Bahnknoten- und Herzstück-Basel

DIE TRINATIONALE REGION BRAUCHT EINEN ATTRAKTIVEN, LEISTUNGSFÄHIGEN ÖFFENTLICHEN VERKEHR, UM SICH WEITER ENTWICKELN ZU KÖNNEN. DIE BEHÖRDEN DER NORDWESTSCHWEIZER KANTONE UND DES ANGRENZENDEN AUSLANDS HABEN DESHALB BEREITS 2014 IHRE VORSTELLUNGEN FÜR EIN DICHTERES, SCHNELLERES UND UMSTEIGEFREIES S-BAHN-SYSTEM BEIM BUND DEPONIERT.

Damit dieses wie vorgesehen bis 2030 realisiert werden kann, muss die Bahninfrastruktur ausgebaut werden. Schlüsselelement dabei ist das Herzstück, die unterirdische Verbindung zwischen dem Bahnhof Basel SBB, dem Badischen Bahnhof und dem Bahnhof St. Johann. Nun ist ein wichtiges Etappenziel in diesem Generationenprojekt erreicht: die optimale Linienführung und der Anschluss an die Bahnhöfe sind geklärt. Damit ist ein wesentlicher erster Teil des Auftrags aus dem Ratschlag zum Vorprojekt erfüllt, den die beiden Basler Parlamente im September 2014 verabschiedet hatten.

Aus einem detaillierten Variantenvergleich ging die sogenannte Variante „HOCH Y“ als Bestlösung hervor. Sie führt vom Bahnhof Basel SBB unterirdisch zum Marktplatz, unterquert den Rhein, erschliesst das Klybeck-Areal mit einer neuen Haltestelle und erreicht von Norden her den Badischen Bahnhof. Beide Bahnhöfe werden oberirdisch angeschlossen („HOCH“). Mit einem Abzweiger („Y“) via Bahnhof St. Johann wird der EuroAirport erreicht.

Durch eine spätere Ergänzung des Y-Asts in Richtung Bahnhof St. Johann und EuroAirport wird der Kundennutzen nochmals deutlich gesteigert. (Quelle: Konsortium Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft Bahnknoten- und Herzstück-Basel)

„Die Bestlösung bringt einen markanten Mehrwert für die öV-Kunden in der gesamten Region und schafft wichtige Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftsraumes Basel“, meint Rudolf Dieterle, der im Auftrag der Kantone Basel-Stadt und Basel- Landschaft die Untersuchungen koordiniert hat. „Sie ermöglicht mehr, bessere und schnellere Verbindungen innerhalb der Agglomeration. Von allen Varianten hat sie das attraktivste Nutzen-Kosten-Verhältnis, nicht zuletzt deshalb, weil sie ohne teure und betrieblich anspruchsvolle Tiefbahnhöfe auskommt.“

Die vorgestellte Lösung kann bei Bedarf zeitlich gestaffelt realisiert werden: In erster Priorität wird die Tunnelverbindung zwischen dem Bahnhof Basel SBB und dem Badischen Bahnhof erstellt, womit schon von Anfang an ein grosser Kundennutzen erzielt wird. Durch eine spätere Ergänzung des Y-Asts in Richtung Bahnhof St. Johann und EuroAirport wird der Kundennutzen nochmals deutlich gesteigert. Ausserdem ermöglicht die Bestvariante eine städtebaulich attraktive Erschliessung des Bahnhofs Basel SBB über eine neu gestaltete Margarethenbrücke.

Nebst dem Herzstück sind auch leistungsfähige „Arterien“ auf den sieben S-Bahn-Ästen notwendig. Deshalb haben die beiden Kantone bei ihren mit BAV, SBB und DB koordinierten Arbeiten auch die notwendigen Massnahmen auf den Zulaufstrecken berücksichtigt. Dies sind der Ausbau im Ergolztal, die Doppelspur im Laufental, die Kapazitätserweiterung zwischen Pratteln und Rheinfelden, die Hochrheinelektrifizierung, die Ausbauten im Wiesental, die Erweiterung auf vier Gleise am Oberrhein sowie der Bahnanschluss des EuroAirports.

Die Region strebt eine Finanzierung des Herzstücks und der Ausbauten auf den Zulaufstrecken im Ausbauschritt 2030/35 des Bundes an. Der entsprechende Mittelbedarf beträgt rund 3.3 Milliarden Franken beziehungsweise 2.6 Milliarden Franken bei einer Etappierung des Y-Asts. Trotz starker Konkurrenz um die Finanzmittel des Bundes ist Rudolf Dieterle zuversichtlich, dass die Region sich in Bern Gehör verschafft hat: „Die Region hat mit den in kurzer Zeit und in hoher Intensität durchgeführten Vertiefungsarbeiten gezeigt, dass sie nicht nur weiss, WAS sie will, sondern auch WIE und WANN. Nun gilt es, diese Botschaft nach Bern zu tragen.“

In den nächsten Monaten werden die beiden Kantone die Planungsarbeiten weiter vorantreiben. Götz Schackenberg, Leiter des Vorprojekts Herzstück: „Wir werden mit voller Kraft die nächsten Projektierungsschritte in Angriff nehmen. Im Vordergrund stehen nun die technischen Untersuchungen für die Tunnelstrecke. In enger Zusammenarbeit mit der SBB wird ausserdem eine rasche Lösung gesucht, um die wachsenden Personenströme am Bahnhof SBB zu bewältigen.“