Herausforderung: ARA Frenke 3 wird unter laufendem Betrieb ertüchtigt

Sven Bittscheidt, Amt für industrielle Betriebe

Die ARA Frenke 3 in Bubendorf ist für das AIB ein besonderer Fall. Sie wurde 1972 auf eine Belastung von rund 10‘000 Einwohnerwerten ausgelegt. Aktuell belastet ist sie aber auf rund 23‘000 Einwohnerwerte. Aufgrund dieser sehr hohen Belastung kann die geforderte Reinigungsleistung nicht jederzeit eingehalten werden. Vor allem bei tiefen Abwassertemperaturen oder aussergewöhnlichen Belastungsstössen, wie es z.B. Anfang 2017 der Fall war, wird dies deutlich sichtbar. Die ARA Frenke soll in den nächsten Jahren aufgehoben und das Abwasser über einen neuen Abwasserkanal zur ARA Ergolz 2 in Füllinsdorf abgeleitet werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt muss die ARA Frenke 3 jedoch weiterhin in funktionstüchtigem Zustand gehalten werden. 

Es drängten sich folgende, dringliche Sanierungsarbeiten auf:

  • Ersatz und Anpassung der Infrastruktur innerhalb der Belebungsbecken und der Belüftung, ohne die Becken bautechnisch zu vergrössern. So wurde u.a. der Lufteintrag durch eine neue Generation von Membranen und durch eine optimale Anordnung dieser Membrane, durch neue Verteilleitungen sowie durch neue Schieber optimiert. Zudem wurden drei effizientere Gebläse installiert.
  • Ersatz der gesamten elektrotechnischen Infrastruktur der ARA, da gerade die elektrischen Einrichtungen der ARA besonders kurzlebig sind. Mit steigendem Alter erhöht sich einerseits die Anfälligkeit für Störungen und andererseits wird die Ersatzteilbeschaffung laufend schwieriger. Zudem werden mit einer modernen elektrischen Ausrüstung auch die Überwachung und die Steuerung der Anlage für den Betrieb deutlich erleichtert.

 

Diese Anpassungen müssen unter dem laufenden Betrieb der wie oben schon erwähnt zusätzlich stark überlasteten ARA stattfinden, da das ständig anfallende Abwasser aktuell nicht auf eine andere ARA umgeleitet werden kann.

Dies bedeutet bildlich gesprochen eine „Operation am offenen Herzen“ der ARA. Diese muss entsprechend gewissenhaft und präzise vorbereitet und in einer sehr gut funktionierenden Zusammenarbeit aller Beteiligten ausgeführt werden. Zudem muss der Umbau gerade im Bereich der biologischen Reinigungsstufe in einem kurzen Zeitfenster ausgeführt werden, da während der Installation der neuen Ausrüstung nur 50% der ohnehin zu geringen Kapazität für die biologische Reinigung zur Verfügung bleiben.

Damit das Risiko einer ausserordentlichen Belastung während des Umbaus auf die Frenke möglichst gering bleibt und die biologische Reinigungsstufe der ARA für den Winter besser gerüstet ist, wurde der maschinentechnische Umbau im August und der elektrotechnische Ersatz Oktober / November durchgeführt. Ausserdem wurde mit der anliegenden Industrie vereinbart, in der Umbauphase August die hoch belasteten Industrieabwässer auf Kosten des AIB mit Tankwagen zu einer anderen Kläranlage abzutransportieren und somit die ARA zu entlasten.

Die ersten Vorbereitungsarbeiten und Ersatzmassnahmen wurden im Mai mit der Installation der neuen Gebläse und der Montage der Luftverteilleitungen durchgeführt.

Montage der neuen Gebläse (Quelle: Amt für industrielle Betriebe)

Der Umbau der 1. Strasse begann dann wie geplant mit den Demontagearbeiten in den Becken am 14. August 2017. Der maschinentechnische Umbau wurde dank der sehr grossen Unterstützung durch das Betriebspersonal der ARA Frenke 3 für die erste Strasse bereits am 17. August abgeschlossen und wieder in Betrieb genommen werden. Der Umbau der 2. Strasse verlief ähnlich reibungslos und war bereits am 24. August abgeschlossen, so dass knapp 2 Wochen nach Beginn des Umbaus beide Biologiestrassen wieder in Funktion waren.

Inbetriebnahme der Biologie-Strasse (Quelle: Amt für industrielle Betriebe)

Sehr präzise und bis ins kleinste Detail wurde dann der Umbau der elektrischen Einheiten der biologischen Reinigungsstufe vom Elektroplaner vorbereitet und in einem Terminprogramm festgehalten. Die minutiöse Vorbereitung und die ausserordentlich gute Zusammenarbeit zwischen Planern, Unternehmern, AUE und dem AIB Betriebspersonal war die Grundlage für den reibungslosen Verlauf und den termingerechten Abschluss dieser Arbeiten Anfang November.

Die noch ausstehenden Ersatzmassnahmen der restlichen elektronischen Infrastruktur werden im März/April 2018 ausgeführt, womit die geplanten Sanierungsmassnahmen abgeschlossen werden.

Die Gesamtkosten dieser dringlichen Sanierung werden sich über alle Etappen summiert auf rund eine Million Franken belaufen. Mit diesen Massnahmen wird bis zur ihrer Aufhebung die Funktionstüchtigkeit der ARA gewährleistet sein. Aufgrund der immer noch vorhandenen Überlastung kann das Risiko von Störfällen und damit von unzulässigen Beeinträchtigungen der Frenke zwar reduziert, jedoch systembedingt nicht gänzlich verhindert werden. Die ersten Betriebserfahrungen sind auf jeden Fall positiv.