Tiefbauamt | 30. September 2018

Langmattstrasse Oberwil: Projektbearbeitung auf der Überholspur

Alain Aschwanden & Axel Mühlemann, Tiefbauamt

Innerhalb eines Jahres haben zwei Geschäftsbereiche des Tiefbauamtes in enger Zusammenarbeit das Projekt Ausbau Langmattstrasse in Oberwil zügig vorangetrieben, sodass der Landrat das generelle Projekt nun genehmigen kann. Die zentralen fachlichen Fragen sind geklärt. Das war nur dank klaren Zielvorgaben, einem guten Teamwork in der Projektleitung und der engagierten Mitarbeit aller beteiligten möglich.

Zum Projekt: Das Leimental wird durch zwei parallel verlaufende Kantonsstrassenachsen in Nord-Süd-Richtung erschlossen. Um die Talseiten zu wechseln stehen diverse Strassenverbindungen zur Verfügung. Im Bereich der Gemeinden Oberwil und Therwil befinden sich auf den Querungen im Kantonsstrassennetz (Bahnhofstrasse in Therwil und Bottmingerstrasse in Oberwil) à-Niveau-Übergänge der BLT-Tramlinie. Einzig die dritte Querverbindung, die kommunale Ringstrasse in Therwil, ist niveaufrei. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der in den Spitzenstunden häufig geschlossenen Barrieren, nehmen im Bereich der à-Niveau-Übergänge der Kantonsstrassen in den Ortszentren Oberwil und Therwil die verkehrlichen Probleme zu. Verkehrsteilnehmende entscheiden oft nach aktueller Verkehrssituation, auf welcher Strasse sie die BLT-Tramlinie queren wollen. Dabei weichen sie auch auf die attraktive Route via kommunale Ringstrasse aus. Mit der verlängerten Langmattstrasse soll eine neue Kantonsstrasse das Tal und die BLT-Linie niveaufrei queren, damit die Ringstrasse entlastet und eine Alternative für die Tramübergänge in den Ortszentren entstehen kann. Das Gewerbegebiet Mühlematt erhält gleichzeitig einen besseren Anschluss in Richtung A18 und Birstal.

(Quelle: TBA)

Als die Planungsarbeiten aufgenommen wurden, war noch nicht klar, wo die Strasse genau realisiert wird und ob sie später sogar noch verlängert werden soll. Zu Beginn wurden viele Varianten geprüft Auch Tunnellösungen waren dabei. Rund ein Jahr später liegt nun ein Vorprojekt vor, welches die zukünftige Strasse zum Teil auf einen Dezimeter genau beschreibt. Wie geht eine solche Planung und Projektierung eigentlich vor sich?

Bis ein Vorprojekt bereinigt vorliegt und dem Landrat zur Genehmigung unterbreitet werden kann, braucht es in der Regel vier Arbeitsschritte:

  • Strategische Planung (Was sind die Ziele für das zukünftige Strassennetz?)
  • Vorstudie (Wo liegt die neue Strasse? Was sind die Auswirkungen?)
  • Eintrag der Strasse im kantonalen Richtplan (Ist das Vorhaben räumlich koordiniert?)
  • Vorprojekt (Wie sieht die Strasse konkret aus? Was wird gebaut?)

Üblicherweise werden diese Arbeitsphasen nacheinander abgewickelt und bauen aufeinander auf. Um den ambitionierten Terminplan einhalten zu können, hat das Tiefbauamt die Phasen aufeinander abgestimmt. Ein Beispiel: Auf dem Situationsplan ist zu sehen, dass die Strasse im Osten (rechts) rund 40 Meter von den ersten Gebäuden entfernt liegt. Nur so kann in Kombination mit einer bis zu vier Meter hohen lärmabsorbierender Wand der Lärmschutz für die Wohnhäuser gewährleistet werden. Solche zentralen Abklärungen wurden in der Vorstudie durchgeführt. Als diese Fragen geklärt waren, konnte mit der nächsten Phase – dem Vorprojekt  begonnen werden.

Bei aller Dringlichkeit galt es stets einen kühlen Kopf und vor allem die Übersicht zu bewahren. Denn teilweise liefen die vier Phasen gleichzeitig ab. Dies war dank klaren Zielvorgaben, einem durchdachten, robusten Programm und einer fokussierten Zusammenarbeit innerhalb des Tiefbauamts möglich. Ziel war es auch, Leerläufe und Doppelspurigkeiten zu vermeiden und das bestmögliche Projekt vorzulegen.

Die Langmattstrasse wird verlängert. (Quelle: TBA)

Die parallele Arbeitsweise birgt aber auch Risiken. Wenn bereits an Details gearbeitet wird, das konkrete Bauwerk aber noch nicht definiert ist, wird es schwierig Zum Beispiel wenn Detailpläne einer Velounterführung ausgearbeitet werden, obwohl noch unklar ist, ob eine Unter- oder Überführung die bessere Lösung ist.

Eine weitere Herausforderung war auch das hohe Projekttempo. Denn trotzt des hohen Tempos galt es, die Gemeindevertreter in den Prozess einzubeziehen. In einer Begleitgruppe mit den betroffenen Gemeinden wurden die Zwischenresultate offen dargelegt und diskutiert, sodass in der Folge die Projektsteuerung die entsprechenden Entscheide treffen konnte. Der Dialog mit den Gemeinden hat auch dazu geführt, dass alternative Lösungen wie der Ausbau der kommunalen Ringstrasse zur Kantonsstrasse vertieft geprüft wurden. Im Hinblick auf die Meinungsbildung und die anstehende Debatte stellte diese Vertiefung einen wichtigen Mehrwert dar. Denn vor der politischen Diskussion mussten die wichtigsten Fakten bekannt sein.

Das gewählte Vorgehen hat bei diesem Projekt zu schnellen Ergebnissen geführt. Ein derart zügiges Vorwärtskommen geht aber nur, wenn alle wichtigen Player am selben Strick ziehen: Die beauftragten Büros arbeiteten effizient, zügig und konstruktiv zusammen. Die vielen Fachleute der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) und der anderen Direktionen steckten immer wieder die Köpfe zusammen und erarbeiteten so tragfähige Lösungen. Auch die Mitarbeitenden der Gemeinden brachten sich aktiv und offen in das Projekt ein. Wenn der Landrat dieses Projekt in der vorliegenden Form genehmigt, kann es das Tiefbauamt zielstrebig weiterverfolgen – mit all seinen Hürden und Gräben, die noch folgen werden.