Tiefbauamt | 31. Dezember 2017

Stabilisierungsverfahren: Schnell und günstig saniert

Angelo Gatti, Tiefbauamt

Die Hauptstrasse zwischen Hölstein und Bennwil wurde im vergangenen Juli – zum ersten Mal im Baselbiet – im Stabilisierungsverfahren saniert. Die spektakuläre Methode ist nicht nur um ein Vielfaches – nämlich rund 50 mal – schneller als das herkömmliche Vorgehen, sondern auch weitaus billiger.

Die Komplettsanierung der Kantonsstrasse zwischen Hölstein und Bennwil stand gemäss Mehrjahresprogramm des Tiefbauamtes erst in ein paar Jahren an. In den heissen Sommertagen im Jahr 2016 löste sich jedoch das kurz vorher eingebrachte Bitumen, die sogenannte Oberflächenbehandlung, teilweise ab, blieb an den Pneus der Fahrzeuge kleben und hinterliess tiefe Rillen. Zwischen dem Bitumenüberzug und dem darunter liegenden über 20-jährigen Deckbelag hatte sich ein Wasserfilm gebildet, hervorgerufen durch die im Laufe der Zeit seitlich in die Deckschicht eingedrungene Feuchtigkeit. Die hohen Temperaturen liessen das Wasser wie in einem Dampfkochtopf erhitzen und führten zu Aufblähungen auf der Bitumenschicht. Somit musste umgehend gehandelt werden.

War es bis heute bei Sanierungen weitgehend Standard, die Strasse samt altem Belag auszukoffern, das Material abzuführen und durch neues zu ersetzen, entschieden sich die Fachleute des Tiefbauamtes für die „Stabilisierung“. Es handelt sich dabei um eine Methode, die in diesem Umfang erstmals im Baselbiet realisiert wurde. Eine 1000-PS-starke Belagsfräse gräbt sich dabei mit ihrer 2.20 Meter breiten Fräswalze 20 Zentimeter in den bestehenden Belag, pflügt den Untergrund um und zermalmt die Schicht in grobe Teile. All dies schafft sie in einem beeindruckenden Tempo. Der Bodenstabilisierer ist eine mächtige Maschine, die mit kräftigem Fräs- und Mischrotor die Grobteile zerkleinert und sie mit Wasser sowie dem vorgestreuten Tragschichtbinder aus Zement und Schieferkalt bis 30 Zentimeter tief in den Boden einmischt. Mit dem Verdichten durch Walzen entsteht eine Stabilitätsschicht ähnlich einer Betonplatte, die mit einer Membrane versehen und auf der ein sechs Zentimeter starker Deckbelag aufgebracht wird.

Mit dem Stabilisierungsverfahren können längere Strassenabschnitte in kurzer Zeit kostengünstig saniert werden. (Quelle: TBA)

Die Vorteile gegenüber einer „konventionellen“ Sanierung sind frappant. Statt in einer Bauzeit von gut zwei Jahren konnte die 1.8 Kilometer lange Strecke in lediglich zwei Wochen komplett saniert werden. Beeindruckend zeigen sich auch die Kosten: stehen doch die rund 600‘000 Franken für die gewählte Methode den rund drei Millionen Franken gegenüber, die eine herkömmliche Sanierung kostet. Die kurze Bauzeit kam auch den Verkehrsteilnehmenden entgegen, die während den zwei Wochen im vergangenen Juli ohne grössere Einschränkungen einspurig in Richtung Diegten/Bennwil fahren konnten.

Die eingesparten Kosten lassen sich nicht zuletzt damit begründen, dass auf das Entsorgen von belastetem Bodenmaterial verzichtet werden konnte. Das Entsorgen von Strassengut ist teuer. Insbesondere dann, wenn das Material bis nach Holland transportiert werden muss. Mit dem Wiederaufbereiten vor Ort spart der Kanton nicht nur erhebliche Deponiegebühren, sondern auch umweltbelastende Lastwagenfahrten. Das im Strassenunterbau verbleibende kontaminierte Material stellt kein Risiko dar. Es wird zusätzlich mit Zement gebunden und erhält wieder eine neue Bitumenschicht, die absolut abdichtet.

Die kurze Bauzeit kam auch den Verkehrsteilnehmenden entgegen. (Quelle: TBA)

Noch nicht saniert ist auf dieser Strecke der Abschnitt zur Abzweigung Oris. Diese erhält im Laufe des nächsten Jahres einen neuen Deckbelag, unter konventioneller Arbeitsweise.

Die Methode „Stabilisierung“ kann nur ausserorts bei langen Strassenabschnitten angewendet werden, wo keine Werkleitungen betroffen sind. Die Fachleute des Tiefbauamtes werden sie weiterhin in ihre Planung mit einbeziehen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Spardruck mehr und mehr nach günstigen Alternativen verlangt.