Vorbeugen und Zusammenarbeiten – Für sicheres Trinkwasser

Adrian Auckenthaler, Amt für Umweltschutz und Energie

Täglich nutzen wir rund 140 Liter Trinkwasser für unsere Hygiene, zum Kochen und Abwaschen oder für die Bewässerung im Garten. Woher kommt dieses Wasser, das so selbstverständlich aus dem Wasserhahn fliesst? Wie ist dessen Qualität und wie gut sind unsere Wasservorräte geschützt? Und wie könnten die Wasserversorgungen regional besser zusammenarbeiten?

Mit diesen und weiteren Fragen hat sich das Projekt „Regionale Wasserversorgung Basel-Landschaft 21“ auseinandergesetzt. Es war eine Zusammenarbeit der Ämter für Umweltschutz und Energie sowie Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen mit der Eawag (Wasserforschungsinstitut der ETH), den Unis Basel und Bern und der EPFL.

Mit dem Projekt wurden Methoden erarbeitet, um die mikrobiologische und chemische Wasserqualität zu erfassen und zu beurteilen, weitergehende Aufbereitungsmethoden zur Entfernung von Spurenstoffen im Hardwald ermittelt und geeignete Zusammenarbeitsformen für die Wasserversorgungen aufgezeigt. Die Arbeiten wurden in verschiedenen für den Kanton typischen Modellregionen und an Modellstandorten durchgeführt.

Modellgebiete
Für die Untersuchung der mikrobiologischen Trinkwassersicherheit wurden charakteristische Karstquellen ausgewählt. Gemessen wurden die Anzahl Bakterien in Trockenwettersituationen und bei Regenwetter. Bereits in einem guten Trinkwasser befinden sich rund 100‘000 harmlose Keime pro Milliliter, bei Regenwetter kann die Konzentration im Quellwasser kurzfristig auf mehrere Millionen Bakterien pro Milliliter ansteigen. Dann können auch Krankheitserreger auftreten. Für die Wasserversorgungen ist es deshalb wichtig, die Zeitpunkte mit hoher Belastung genau feststellen zu können oder das Wasser entsprechend aufzubereiten. Mit den erarbeiteten Konzepten und Methoden stehen den Wasserversorgungen nun die notwendigen Instrumente zur Verfügung.

Blick in einen Trinkwasserbrunnen (Quelle: AUE)

Viele Trinkwasserfassungen stehen in Flussnähe. Mit der Infiltration von Flusswasser ins Grundwasser werden Spurenstoffe zu den Wasserfassungen transportiert. Von über 500 untersuchten Stoffen wie Pharmazeutika, Pestizide, Haushalts- und Industriechemikalien konnten in verschiedenen Flüssen zwischen 80 und 100 Stoffe festgestellt werden. Im Trinkwasser waren es noch um die 40 Stoffe, darunter befanden sich Süssstoffe, Antiepileptika und Blutdrucksenker. Glücklicherweise sind die gemessenen Konzentrationen sehr gering und liegen im Bereich von Nanogramm pro Liter. Wie bei den Karstsystemen spielen auch bei den flussnahen Fassungen der hydraulische Zustand – also Hoch- oder Niedrigwassersituation – eine Rolle. Es kommt darauf an, woher das Grundwasser genau zuströmt und ob mehr oder weniger junges, schlecht filtriertes Flusswasser in einer Fassung ankommt.

Situation Hardwald
Im Hardwald befindet sich die grösste Wasserversorgung im Kanton Basel-Landschaft. Durch die künstliche Versickerung von Rheinwasser entsteht ein Grundwasserberg, der die Trinkwasserfassungen vor dem Einfluss der umliegenden belasteten Standorte schützen soll. Die Effektivität des Grundwasserbergs wurde durch verschiedene hydrogeologische Untersuchungen, wie Markierversuchen, chemischen Analysen und einem Grundwassermodell untersucht. Das heutige System der Trinkwassergewinnung ist grundsätzlich sicher, setzt aber den dauernden Betrieb der künstlichen Rheinwasserinfiltration voraus. Im Westen des Hardwaldes wirkt der Grundwasserberg weniger stark und in den Brunnen wird auch ein Anteil Wasser aus dem regionalen teilweise belasteten Felsgrundwassersystem gefördert. Die Hardwasser AG hat bereits auf die Erkenntnisse reagiert und das Grundwassermanagement angepasst und einen Brunnen ausgeschaltet.

Muttenz mit Hardwald, dem Gebiet mit der grössten Wasserversorgung im Kanton Basel-Landschaft. (Quelle: AUE)

Im Hardwald wurde auch die Trinkwasseraufbereitung untersucht. Es ging um die Frage, ob der vorhandene Aktivkohlefilter genügt, um die Spurenstoffe, die mit der Rheinwasserinfiltration eingetragen werden oder aus früheren Einträgen im Grundwasser vorhanden sind, zu entfernen oder ob es eine weitergehenden Aufbereitungsschritt braucht. Die in einer Pilotanlage durchgeführten Tests zeigten, dass mit einer zusätzlichen Oxidationsstufe zwar die Laufzeit des Filters (Zeitdauer, bis die Aktivkohle erneuert werden muss) verlängert werden könnte, der bestehende Aktivkohlefilter jedoch in der Lage ist, die Spurenstoffe genügend zurückzuhalten.

Organisation der Wasserversorgungen
Die Wasserversorgungen sind sich ihrer Herausforderungen bewusst. Grösste Priorität haben die Themen Grundwasserschutz und Versorgungssicherheit, gefolgt von der Trinkwasserqualität. Bei kleineren ländlichen Wasserversorgungen sind auch die finanziellen Aspekte und der Erhalt der Infrastruktur von Bedeutung. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen können sich die Wasserversorgungen eine regionale Zusammenarbeit vorstellen, jedoch unter Wahrung der eigenen Mitspracherechte. Beim Thema Grundwasserschutz sehen sie zudem einen Koordinationsbedarf mit der Raumplanung, um die Schutz- und Nutzungsinteressen besser zu entflechten. Die Erkenntnisse aus diesem Teilprojekt sind Grundlage für das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) und die Gemeinden, um die regionale Wasserversorgungsplanung im Kanton weiterzuentwickeln.

Fazit
Im Projekt „Regionale Wasserversorgung Basel-Landschaft 21“ wurde eine Fülle von Erkenntnissen gewonnen und verschiedene Methoden entwickelt, um die Grundwasserqualität zu untersuchen und zu beurteilen. Auch wurde aufgezeigt, wie der Kanton die Wasserversorgungen bei Regionalisierungsprozessen unterstützen kann. Nun liegt es an den verschiedenen Akteuren und Entscheidungsträgern, die Erkenntnisse umzusetzen und so zu einer langfristig guten Trinkwasserqualität beizutragen.

Vertiefte Informationen zum Thema sind auf der Homepage des AUE abrufbar.