Öffentlicher Verkehr | 30. August 2019

Dank Vierspurausbau und Wendegleis: mehr Verbindungen und pünktlichere Züge

Eva Juhasz, Catia Allemann, Generalsekretariat

Am 24. Juni 2019 starteten die Projekte Vierspurausbau und Wendegleis Liestal mit einer Medienkonferenz und dem anschliessenden Spatenstich auf dem Bahnhofgelände. Die SBB baut zwischen 2019 und 2025 den Bahnknoten Liestal aus. Ziel ist eine leistungsstarke öV-Drehscheibe und ein attraktiver Bahnhof für den Hauptort des Kantons Basel-Landschaft. Es fliessen Bundesgelder im Umfang von 380 Millionen Franken in den Bahnknoten Liestal. Die Realisierung des Projekts sorgt für mehr Pünktlichkeit, mehr Angebot und mehr Komfort.

Ab Ende 2025 sollen die Züge zwischen Basel und Olten pünktlicher und die S-Bahn zwischen Liestal und Basel häufiger, nämlich im Viertelstundentakt, verkehren. Das sind die Ziele der beiden Bahnausbauprojekte Vierspurausbau und Wendegleis Liestal.  

Situation heute: Der Güterzug und der S-Bahn-Zug müssen warten, bis der Schnellzug das Gleisfeld durchfahren hat und die Gleise freigibt. Für zusätzliche S-Bahn-Züge zwischen Basel und Liestal fehlt im Bahnhof die Kapazität. 

Situation künftig: Dank dem Vierspurausbau bieten sich mehr Optionen, um die Züge aneinander vorbei zu lenken. Das Wendegleis schafft im Bahnhof die Kapazität für einen stabilen S-Bahn-Viertelstundentakt zwischen Basel und Liestal. (Quelle: SBB)

Gesprächsrunde zum Projektstart 
Am 24. Juni 2019 fand im Kulturhotel Guggenheim eine Gesprächsrunde zum Projektstart statt. Beteiligt waren Sabine Pegoraro, Regierungsrätin, Daniel Spinnler, Stadtpräsident, Anna Barbara Remund, Vizedirektorin des Bundesamts für Verkehr (BAV), Jacques Boschung, Leiter SBB Infrastruktur, Andreas Büttiker, Direktor der BLT und Josef Lientscher, Gesamtprojektleiter SBB Infrastruktur. Die Exponentinnen und Exponenten der Projekte beantworteten die Fragen des Moderators Michel Berchtold, Regionenleiter SBB Mitte. Sie erläuterten, wie sich das Bahnangebot durch die Massnahmen verbessern wird, wie viel die Projekte kosten und welche Einschränkungen während der Bauzeit auf die Bevölkerung zukommen werden. Das breitgefächerte Publikum bestand aus Politikerinnen und Politikern, öV-Partnern, Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden, Behörden und Medien. 

Spatenstich einmal anders 
Nach der lockeren Gesprächsrunde folgte der sportliche Teil des Anlasses. Bei heissen Temperaturen marschierten die Vertreterinnen und Vertreter von SBB, BAV und Kanton samt allen geladenen Gästen zum Güterareal auf der Nordseite des Bahnhofs. Dort fand der symbolische Startschuss zum Baustart statt. Die Exponentinnen und Exponenten der Projekte zogen gemeinsam an einem Seil und rollten ein riesiges Plakat aus. Anwesend waren auch die Nationalrätinnen Maya Graf, Samira Marti, Daniela Schneeberger und Sandra Sollberger sowie Ständerat Claude Janiak, dank deren Einsatz im Parlament die Kredite überhaupt gesprochen wurden, wie Anna Barbara Remund erwähnte.  

Kräftig wurde am Seil gezogen und das Plakat ausgerollt. (Quelle: GSK)

Ausbauten an den Bahnanlagen 
Die Bauarbeiten umfassen zwei grosse Projekte: den Vierspurausbau und das Wendegleis.  
Die Gleisanlagen werden von drei auf vier Gleise erweitert, was die Zahl der Zugkreuzungskonflikte deutlich verringert. Gleichzeitig wird ein neuer, zusätzlicher Perron erstellt. Die erweiterten Perronkanten ermöglichen mehr Flexibilität bei der Steuerung des Zugverkehrs. Ausserdem werden die Personenunterführungen am Bahnhof um- und ausgebaut, die Waldenburgerbahn bis Altmarkt erneuert sowie ein Park+Rail-Parkhaus an der Tiergartenstrasse erstellt.  

Das neue Wendegleis für die S-Bahn entsteht dort, wo das heutige Abstellgleis entlang des Emma Herwegh-Platzes steht. Es schafft die Voraussetzung für einen stabilen S-Bahn-Viertelstundentakt zwischen Basel und Liestal (heute Halbstundentakt). Die S-Bahn-Züge im Wendegleis werden dann keine durchfahrenden Züge mehr blockieren.  

Der Vierspurausbau und das Wendegleis erlauben einen pünktlicheren und störungsfreieren Bahnverkehr auf der Strecke Basel – Olten. Sie sind zudem zentrale Voraussetzungen dafür, dass die S-Bahn ab Ende 2025 zwischen Liestal und Basel im Viertelstundentakt verkehren kann. Weitere Voraussetzungen sind bauliche Massnahmen in Muttenz und im Ostkopf des Bahnhofs Basel SBB sowie Anpassungen an den Signalisierungsanlagen in Pratteln. 

Viertelstunden-(Auf)takt 
Der Spatenstich für den Vierspurausbau und das Wendegleis in Liestal ist quasi auch der Startschuss für eine leistungsfähige trinationale S-Bahn Basel. Diese soll bis in etwa zwanzig Jahren nicht nur zwischen Liestal und Basel, sondern im gesamten inneren Agglomerationsgürtel viermal pro Stunde verkehren. Voraussetzung dafür ist das Herzstück, die unterirdische Verbindung zwischen den Bahnhöfen Basel SBB und Badischer Bahnhof.  

Die Exponentinnen und Exponenten der Projekte posieren zusammen mit den am Spatenstich anwesenden Parlamentarierinnen. (Quelle: GSK)

Neues Gesicht für den Bahnhof Liestal 
Zusätzlich zu den Anpassungen an der Bahninfrastruktur entstehen auf dem Bahnhofareal in Liestal mit dem Quartierplan Bahnhofcorso drei neue Gebäude. Das heutige Bahnhofsgebäude wird durch einen Neubau ersetzt. Daneben entstehen ein Wohn-/Geschäftshaus sowie (voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt) ein Hochhaus. Für das neue Bahnhofsgebäude besteht eine Absichtserklärung des Kantonsspitals Baselland, das den Aufbau einer Gesundheitseinrichtung am Bahnhof Liestal prüft. Die zeitgleiche Realisierung von Bahnhofgebäude, Vierspurausbau und Wendegleis bringt Synergien, beispielsweise bei der Nutzung von Gleissperren oder Bauinstallationsplätzen. 

Keine Bauarbeiten ohne Einschränkungen 
Die Bauarbeiten führen zeitweise zu Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmenden. So ist die Oristalunterführung bis Mitte 2020 für den motorisierten Verkehr nur in einer Richtung befahrbar. Auch müssen die Park+Rail-Parkplätze reduziert werden. Ab Oktober 2019 wird auf dem Areal des Martin Birmann-Spitals Ersatz geschaffen. Im weiteren Verlauf der Bauarbeiten wird es während einigen Nächten und Wochenenden zu Gleissperrungen kommen. Dies hat Fahrplananpassungen zur Folge.

Finanzierung  
Die Kosten für den Vierspurausbau betragen rund 365 Millionen Franken. Sie werden über das Programm „Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur“ (ZEB) des Bundes finanziert. Die Kosten für das Wendegleis belaufen sich auf rund 15 Millionen Franken. Das Wendegleis ist Teil des Ausbauschrittes«STEP 2025» des Bundes, den die Schweizer Stimmbevölkerung am 9. Februar 2014 gemeinsam mit der FABI-Vorlage angenommen hat. Die Finanzierung der Projekte auf dem Bahnhofareal trägt die SBB Immobilien.