Faulturm auf der ARA Birs: Eine saubere Sache

Patrick Lüthy, Amt für Industrielle Betriebe

Der Faulturm auf der ARA Birs in Birsfelden mit Baujahr 2005 wurde nach 13 Betriebsjahren einer Inspektion unterzogen. Erfahrungsgemäss ist nach dieser Betriebszeit mit erheblichen Ablagerungen zu rechnen. Das Resultat der Inspektion ist erfreulich.

Wie die Erfahrung zeigt, sollten Inspektionen bei Faultürmen mit Rührwerk mit Tauchern und 3D-Messgeräten durchgeführt werden. Diese Vorgehensweise wurde deshalb auch im Fall des Faulturms auf der ARA Birs angewandt.

Die Inspektion hatte zum Ziel, den Faulturm digital zu vermessen und allfällige Sand- bzw. Schlammablagerungen und Verzopfungen (eine Ansammlung von Textilien, Haaren und Hygieneartikeln im Abwasser verbindet sich und bildet zopfartige Stränge) festzustellen und gegebenenfalls zu entfernen. Ausserdem wurden die Innenwände und Einbauten auf Schäden überprüft, sofern sie überhaupt zugänglich waren.

Die ARA Birs in Birsfelden in der Vogelperspektive - das hohe, runde Bauwerk ist der Faulturm (Quelle: AIB)

Der grosse Vorteil dieser Art der Inspektion ist, dass der Faulturm während der Inspektion in Betrieb bleibt, die Temperatur nicht absinkt und der anfallende Klärschlamm weiterhin zugeführt werden kann. Durch den laufenden Faulprozess werden zusätzliche Entsorgungskosten eingespart. Ausserdem werden Spannungsrisse vermieden, die durch die Entleerung auftreten können.

Die Flaschen, die den Taucher mit Sauerstoff versorgen, bleiben ausserhalb des Turmes. Im Faulturm herrschen Temperaturen von rund 38 Grad. Um die Körpertemperatur des Tauchers zu stabilisieren, wird sein Tauchanzug durch einen Schlauch mit kühlem Wasser versorgt. So ist ein Tauchgang von maximal 30 Minuten möglich. Als zusätzliche Sicherheitsmassnahme ist eine Sprachverbindung zu einer Verbindungsperson gewährleistet. Im Notfall, falls die Zugleine reisst, könnte der Taucher auch an seinen Verbindungsschläuchen aus dem Faulschlamm gezogen werden. Die Zuglast der Schläuche beträgt 500 Kilogramm.

Das Dreibein über der Öffnung ist mit einer Winde/Zugleine ausgestattet – der Tauchgang kann starten (Quelle: AIB)

Der Taucher muss für den Tauchgang vorbereitet werden. Das Dreibein über der Öffnung ist mit einer Winde/Zugleine ausgestattet. An dieser wird der Taucher in den Faulschlamm abgelassen. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich der Taucher in absoluter Dunkelheit und muss sich auf dem Boden des Turmes langsam zur Aussenwand vortasten. Dort versucht er, mögliche Ablagerungen auf dem Boden und an den Wänden festzustellen und gegebenenfalls zu entfernen. Den Rückweg nutzt der Taucher zur Überprüfung und zur Kontrolle der Rühreinheit. Während des Tauchgangs werden fortlaufend alle Informationen nach oben an die Verbindungsperson weitergegeben.

Nach beendeter Inspektion wird der Taucher gründlich gesäubert und die Öffnung gasdicht verschlossen.

Nach dem Tauchgang wird der Taucher gründlich gesäubert. (Quelle: AIB)

Die Arbeit dieser Tauch-Spezialisten verdient grossen Respekt. Man stelle sich das einmal vor: an einer Leine 16 Meter tief in eine dunkle schwarze Brühe abzusinken, absolut nichts mehr zu sehen und das eigene Leben in die Verantwortung der Kollegen zu geben, die für die Versorgung mit Luft und Wasser von oben verantwortlich sind. Das erfordert eine grosse Portion Mut.

Das Ergebnis der Inspektion ist sehr erfreulich: Der Tauchgang hat gezeigt, dass der Faulturm inklusive Zuführung und Vorbehandlung optimal ausgelegt, geplant und ausgeführt wurde. Auch für das AIB als Betreiberin ist dies Beweis dafür, dass in den letzten Jahren Vieles richtig gemacht wurde und die Faulung wie bis anhin weiter betrieben werden kann.