Amt für Industrielle Betriebe | 26. Dezember 2016

DEPONIEANLAGE ELBISGRABEN: ENTSORGUNGSSICHERHEIT UND LANGZEITSTABILITÄT

Heinz Schaub, Amt für Industrielle Betriebe Dominic Utinger, Amt für Umweltschutz und Energie

DIE KANTONALE DEPONIEANLAGE ELBISGRABEN GING 1983 IN BETRIEB UND DIENTE URSPRÜNGLICH DER ENTSORGUNG VON UNVERBRANNTEN SIEDLUNGSABFÄLLEN. DIE DEPONIEANLAGE VERFÜGT ÜBER EINE KOMPLEXE DEPONIEINFRASTRUKTUR. DIESE BESTEHT AUS EINER DOPPELTEN BASISABDICHTUNG, VER-SCHIEDENEN KOMPARTIMENTEN FÜR SPEZIFISCHE ABFÄLLE, ENTWÄSSERUNGSSYSTEMEN FÜR SAUBER-WASSER UND DEPONIESICKERWASSER SOWIE ENTGASUNGSSYSTEMEN. DADURCH KÖNNEN DIE DEPO-NIEEMISSIONEN KONTROLLIERT UND NEGATIVE UMWELTEINFLÜSSE DURCH DIE DEPONIE VERMIEDEN WERDEN.

Über die letzten drei Jahrzehnte hat sich die Abfallwirtschaft massiv weiterentwickelt. Abfalltrennung und Recycling gehören heute zum Standard. Seit dem Jahr 2000 gilt zudem in der Schweiz ein Deponieverbot für brennbare Abfälle. Diese werden heute in Kehrichtverbrennungsanlagen unter Energiegewinnung verbrannt. Trotz der Weiterentwicklungen in der Abfallwirtschaft kommt der Deponieanlage Elbisgraben auch heute noch eine grosse, strategische Bedeutung für die Entsorgungssicherheit der gesamten Region zu. Auf der Anlage werden belastetes Aushubmaterial, Verbrennungsrückstände der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Basel („KVA-Schlacke“), Klärschlammasche sowie weitere nicht verwertbare und nicht brennbare Abfälle abgelagert.

Luftaufnahme der Deponieanlage Elbisgraben mit den verschiedenen Kompartimenten für Klärschlammasche (links oben; rotbraunes Material), KVA-Schlacke (links unten, graues Material), belastetes Aushubmaterial (Mitte) und für weitere Abfälle (rechts). Am rechten Bildrand ist zudem das Betriebsgebäude ersichtlich. Am unteren Bildrand ist der begrünte Deponiedamm erkennbar. (Quelle: AIB)

Die Deponie Elbisgraben besteht aus vier Teilbereichen. Auf jedem Teilbereich werden nur bestimmte Abfallfraktionen abgelagert (beispielsweise nur KVA-Schlacke oder nur Klärschlammasche). Diese Teilbereiche nennt man Kompartimente. Die Aufteilung der Kompartimente der Deponieanlage Elbisgraben widerspiegelt die Abfallwirtschaft vergangener Jahrzehnte und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Insbesondere die Kompartimente zur Ablagerung von KVA-Schlacke und Klärschlammasche sind zu klein, und jenes für belastetes Aushubmaterial zu gross. Um das insgesamt verfügbare Deponievolumen optimal nutzen zu können, muss die Deponieanlage weiterentwickelt werden. Ein zentraler Punkt ist dabei der beschleunigte Abbau von organischer Substanz, welche von 1983 bis Ende 1999 mit dem Hauskehricht und den Gewerbeabfällen abgelagert worden ist. Dazu wurde ein Projekt zur sogenannten Aerobisierung (Sauerstoffzufuhr) der Deponie gestartet.

Mit Sondierbohrungen entnehmen Arbeiter Bohrkerne. (Quelle: Ingenieurbüro Geotest AG)

Der Abbau von organischer Substanz (Holz, Papier, Speisereste etc.) in den alten Kehrichtablagerungen führt zur Bildung von Deponiegas und belastetem Sickerwasser. Diese Abbauprozesse spielen sich hauptsächlich unter Sauerstoffausschluss ab, da mit der stetigen Überschüttung der Abfälle das Eindringen von Sauerstoff in den Deponiekörper unterbunden wird. Anaerobe (ohne Sauerstoff) Abbauprozesse laufen sehr langsam ab und dauern bei Kehrichtablagerungen mehrere Jahrzehnte.

Ein Ansatzpunkt, um langfristige Schadstoffemissionen aus Deponien zu reduzieren und den Deponiekörper zu stabilisieren, stellt das Verfahren der Aerobisierung dar. Bei der Aerobisierung wird kontrolliert Luft in den Deponiekörper geführt, um so den biologischen Abbauprozess vom anaeroben in einen aeroben (mit Sauerstoff) Zustand zu überführen. Bei der Deponieanlage Elbisgraben erfolgt die Luftzufuhr mittels Saugbelüftung über das bestehende Leitungsnetz im Deponiekörper, welches zur Entgasung des Deponiekörpers kontinuierlich mit der Ablagerung von Abfällen eingebaut worden ist.

Mit der Aerobisierung der Deponieanlage Elbisgraben sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Schaffung der Grundlage zur vollständigen Nutzung des freien Deponievolumens insbesondere für KVA-Schlacke und Klärschlammasche (Entsorgungssicherheit)
  • Beschleunigter Abbau der organischen Stoffe im Deponiekörper
  • Verminderung von Deponiegasemissionen
  • Verbesserung der Sickerwasserqualität
  • Reduktion der Nachsorgedauer nach Deponieabschluss (Reduktion der Kosten)

Basis für ein Aerobisierungsprojekt sind detaillierte Kenntnisse zum Zustand des Deponiekörpers und insbesondere zur noch vorhandenen organischen Substanz. Aus diesem Grund wurden im September 2016 Sondierbohrungen in den Deponiekörper abgeteuft und Bohrkerne entnommen und analysiert. Die tiefste Bohrung reichte ab der aktuellen Deponieoberfläche rund 34 Meter in den Deponiekörper hinein. Bei allen Bohrungen wurde ein Sicherheitsabstand zur Basisabdichtung eingehalten. Da in der Vergangenheit auch asbesthaltige Abfälle auf der Deponie abgelagert worden sind, mussten die Bohrarbeiten unter strengen Vorkehrungen zur Arbeitssicherheit aller Beteiligten vorgenommen werden.

Bohrkerne werden durch Mitarbeiter Ingenieurbüro Geotest und Elbisgraben begutachtet und dokumentiert. (Quelle: Ingenieurbüro Geotest AG)

Die ersten Analysenergebnisse zeigen, dass der Abbauprozess der potenziell biologisch abbaubaren organischen Substanz bereits weit fortgeschritten ist. Da es sich aber um ein innovatives Projekt handelt, fehlen weitgehend Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Deponien. Der Abbau der restlich vorhandenen organischen Substanz ist von vielen Faktoren, wie beispielsweise der Kehrichtzusammensetzung, der Verdichtung oder auch dem Wassergehalt der Abfälle abhängig. Es geht nun in erster Linie darum, die relevanten Parameter so zu beeinflussen, dass die organische Substanz möglichst maximal abgebaut werden kann. Dies stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar.