Tiefbauamt | 26. Dezember 2016

WINTERDIENST AUF DEN KANTONSSTRASSEN

Raphael Gysin, Tiefbauamt

FÜR PENDLER UND AUTOMOBILISTEN KANN PLÖTZLICHER SCHNEEFALL ZU MÜHSAMEN ODER SOGAR GEFÄHRLICHEN SITUATIONEN FÜHREN. DESHALB MUSS DER KANTONALE WINTERDIENST GUT VORBEREITET SEIN, UM DIE RUND 460 KILOMETER KANTONSTRASSEN FAHRTAUGLICH ZU MACHEN, DAS HEISST VON EIS UND SCHNEE ZU BEFREIEN. DAZU BRAUCHT ES AUSREICHENDES UND EINSATZWILLIGES PERSONAL UND EIN GUTES EQUIPMENT. EIN GANZ ENTSCHEIDENDER SCHRITT IST DIE BEDARFSGERECHTE UND ZÜGIGE ALARMIERUNG DER EINSATZKRÄFTE, UM SCHNEE UND EIS MÖGLICHST VOR DEM BERUFSVERKEHR EIN ERSTES MAL ZU BESEITIGEN.

Das Tiefbauamt hat einen Pikettbetrieb von 24 Stunden. Dieser ist von 23:30 bis 04:00 Uhr stark reduziert und wird in dieser Zeit nur in besonderen Wettersituationen wie z.B. Wetterwarnung mit bevorstehendem Eisregen oder starkem Schneefall angefordert.

Schneeräumfahrzeug im Einsatz auf dem Bölchen. (Quelle: Tiefbauamt)

Damit die Schneeräumung möglichst reibungslos klappt, ist das Einsatzgebiet des Kantons Basel-Landschaft in drei Kreise aufgeteilt: Reinach, Liestal, Sissach. Den Mitarbeitenden stehen Wetterprognosen oder Wetterwarnungen von den Wetterdiensten zur Verfügung: ein Glatteisfrühwarnsystem mit dem aktuellen Fahrbahnzustand und den Wetterdaten, wie Lufttemperatur, Bodentemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, momentaner Salzgehalt, Gefriertemperatur und Niederschlag in Form von Regen oder Schnee und deren Intensität. Verteilt über die Kantonsstrassen befinden sich 23 Messstellen mit drei Webcams zur Beurteilung der Lage vor Ort (pro Kreis eine Kamera). Diese Messpunkte sind an problematischen Stellen fest installiert und liefern wichtige Daten.

Messstation eines Glatteisfrühwarnsystems ausgerüstet mit Bodensonden für Boden-, Gefriertemperaturen auf der Fahrbahn, Niederschlagsregiregistrierung mit Lufttemperaturen 
und einer Webcam. (Quelle: Tiefbauamt)

Dem Einsatzleiter steht ein Notebook pro Kreis zum Abruf der Daten zur Verfügung. Im Aufenthaltsraum jedes Kreises steht dem jeweiligen Pikettchef ein PC für die Überwachung des Einsatzes zur Verfügung. Im Weiteren alarmiert ein Pager pro Kreis aufgrund des aktuellen Zustands der Fahrbahn, falls dieser für die Verkehrsteilnehmer prekär wird. Mit dem BORRMA-Web Computerprogramm werden Messdaten auf den Fahrbahnen grafisch aufzeigt und die Wetterentwicklungen angezeigt. Dank diesen Entscheidungshilfen ist ein effizienter und nachhaltiger Winterdienst auf den Kantonsstrassen überhaupt möglich.

Ein Einsatz mit Alarmierung erfolgt nach einem Prozessablaufschema:

  • Alarm um 02:30 Uhr infolge einer ausserordentlichen Wetterentwicklung auf dem Pager des Einsatzleiters.
  • Der Einsatzleiter schaut sich die Messdaten auf seinem Laptop an und beurteilt die Situation auf den Strassenabschnitten. Zudem liefert der Wetterradar des Wetterdienstes die aktuellen Radarbilder bei Niederschlag. Aufgrund der aufgezeichneten Daten, wie z.B. teils feuchte Fahrbahnabschnitte in Waldpartien und sinkende Luft- / Bodentemperaturen. 
  • Im Bedarfsfall bietet der Einsatzleiter den Pikettchef via Handy auf und teilt ihm die Sachlage mit. Anschliessend führt der Pikettchef mit dem PW eine Streckenkontrolle der besprochenen Abschnitte durch. Er beurteilt die effektiven Strassenverhältnisse vor Ort und entscheidet sich für einen Teileinsatz der Streufahrzeuge.  
  • Der Pikettchef bietet die Fahrer und Beifahrer der LKW’S auf und meldet den Einsatz dem Einsatzleiter und eventuell der Einsatzleitzentrale der Polizei. Bei diesen Einsätzen haben immer Streckenabschnitte mit öffentlichem Verkehr, wie Bus- und Postautostrecken, den Vorrang.
  • Während dem Einsatz überwacht der Pikettchef oder der Einsatzleiter die neuen Daten am Computer und teilt allfällige Änderungen mit. Die Fahrer stehen mit dem Pikettchef in Verbindung via Mobiltelefon und melden, wenn eine besondere Situation eintritt, wie beispielsweise ein unverhofft auf der Strasse stehender PW. Dieser müsste mit vereinten Kräften zum Fahrbahnrand gestossen werden, damit der Einsatz fortgesetzt werden kann. Sobald ein Auftrag erledigt ist, werden der Pikettchef und der Einsatzleiter orientiert. Danach werden die Fahrzeuge gereinigt und die Streuer wieder mit Salz aufgefüllt für den nächsten Einsatz. Der Teileinsatz wird genau rapportiert, mit Streckenbezeichnung, Länge, Streumenge und Salzverbrauch.

Im Werkhof Sissach wird Streusalz geladen. (Quelle: Tiefbauamt)


 

Nach jedem Winter werden die Alarm- und Prognosesysteme ausser Betrieb genommen und die  Maschinen und Geräte revidiert. Zu guter Letzt wird ein Bericht verfasst über den gesamten Winterdienst mit Kosten, Salzverbrauch und Anzahl Einätze.

Im Winter 2014/15 kam es auf den Kantonsstrassen zu insgesamt 210 Räumeinsätzen. Dafür wurden 1‘800 Tonnen Salz benötigt. Im etwas milderen Winter 2015/16 mussten die Strassen mit 165 Einsätzen von Schnee und Eis befreit werden, was einem Salzverbrauch von 1‘200 Tonnen entspricht.