Hochbauamt | 26. Dezember 2016

WETTBEWERB: ERGÄNZUNG UND SANIERUNG SEKUNDARSCHULANLAGE LÄRCHEN MÜNCHENSTEIN

Jonas Wirth, Hochbauamt

BACK ARCHITEKTEN GMBH AUS BASEL HABEN MIT ROTZLER KREBS PARTNER LANDSCHAFTSARCHITEKTEN BSLA AUS WINTERTHUR DEN WETTBEWERB FÜR DIE ERGÄNZUNG UND SANIERUNG DER SEKUNDARSCHULANLAGE LÄRCHEN IN MÜNCHENSTEIN GEWONNEN. MIT DEM PROJEKT „SEQUEL“ GELANG ES DEN VERFASSERN, DIE QUALITÄTEN DER BESTEHENDEN ANLAGE GESCHICKT ZU NUTZEN UND IN DIE ZUKUNFT WEITER ZU FÜHREN.

Im Rahmen des offenen Projektwettbewerbs, den das Hochbauamt im Frühling 2016 durchführte, wurden keine wegweisenden Architekturen für eine neuzeitliche Pädagogik gesucht, wie sie im Wettbewerb 1950 diskutiert wurde. Es ging darum, die Qualitäten des Bestands zu stärken und weiter zu führen. Daneben galt es, Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit, pädagogischen Ansprüchen an einen zeitgemässen Schulbetrieb oder Anforderungen zur Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Mit 83 Projekten haben sich zahlreiche Teams aus Architekten und Landschaftsarchitekten der Herausforderung gestellt. Durch die Varianz der Beiträge gelang es dem Preisgericht, sich in mehreren Rundgängen an die richtige Lösung für die Erweiterung und Sanierung des Lärchenschulhauses heranzutasten. Einstimmig überzeugen konnte das Projekt „Sequel“ von Back Architekten GmbH aus Basel mit Rotzler Krebs Partner Landschaftsarchitekten BSLA aus Winterthur. Keinem anderen Beitrag gelang es in derart geschickter Weise, an die Anlage aus den 1950er-Jahre anzuknüpfen und dabei die Qualitäten des Bestandes in die Zukunft weiter zu tragen und die Geschichte der Schulanlage Lärchen fortzuschreiben.

Modellaufnahme vom Siegerprojekt „Sequel“ (Quelle: HBA)

Das Lärchenschulhaus liegt nahe des Zentrums Gartenstadt in Neumünchenstein, einem Wohnquartier, gegründet in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den Jahren ihres Bestehens wurde die Schulanlage nur geringfügig verändert und ist in ihrem ursprünglichen Charakter weitgehend erhalten. In Zeiten sogenannter „fetter“ Schulen, der Kompaktheit geschuldeter Grossvolumen mit flexiblem Innenleben, wirkt die Schulanlage filigran und gliedert sich dadurch geschickt in die umliegende Bebauung mit Einfamilienhäusern ein. Charakteristisch sind im Besonderen die gut proportionierten, mit einem bemerkenswerten Baumbestand kräftig durchgrünten Aussenräume, die dem Lärchenschulhaus eine hohe Aufenthaltsqualität und damit eine grosse Wertschätzung verleihen.

Den Wettbewerb im Jahr 1950 für den Neubau der Realschule Münchenstein hat ein Projekt „Yenakis“ der Herren Wurster und Huggel zu Basel-Paris gewonnen. Für damalige schweizerische Verhältnisse schlugen sie einen neuen Weg ein: Eine eingeschossige Anlage im Pavillonsystem, bei dem jedes Klassenzimmer direkt von aussen erschlossen wurde. Dem mit 93 Projekten vielbeachteten Wettbewerb folgte eine hitzige Debatte über den richtigen Schulhausbau für eine neuzeitliche Pädagogik. Den Schlussstrich setzte die Gemeindeversammlung: 176 Stimmende standen für das zweitplatzierte, gediegen und ästhetisch fein gegliederte Projekt von Herrn Architekt Toffol ein*. Lediglich noch 31 mutige Stimmen sammelten die wagemutigen Verfasser des Pavillonbaues*. Ausschlaggebend war letztlich die Nachhaltigkeit, wie wir heute sagen würden, in Bezug zu Wirtschaftlichkeit und Energieverbrauch. Zu verdanken ist es dann wohl diesem Entscheid der Gemeindeversammlung Münchenstein, dass 65 Jahre später - die Schulanlage zwischenzeitlich im Besitz des Kantons - Regierungsrat und Landrat auf eine solide Bausubstanz setzen konnten und sich dazu entschlossen, den Bestand zu pflegen und diesen mit dem notwendigen Raum zu ergänzen.

Modellaufnahme der Anlage aus dem Jahre 1950 (Quelle: Archiv HBA)

*aus der Festschrift zur Einweihung des Realschulhauses Münchenstein, 19. April 1953